Zitate und Aussagen

Unter Zitate und Aussagen wollen wir laufend Gültiges, Diskussionsanregendes und Aktuelles zum Thema präsentieren.

Auf die dramatische Situation der Finanzierung von Wissenschaft und Forschung im Allgemeinen und die der Universitäten im Besonderen angesichts der Spardiskussionen wiesen u.a. in den ersten Septembertagen 2010 Ministerin Karl, die Rektoren, zahlreiche Spitzenexponenten der scientific community, führende Vertreter von Wirtschaft und Industrie und die Studentenvertreter hin. Dieses brennende Thema wird auch die Diskussionen der nächsten Wochen und Monate beherrschen. Unsere Initiative wird diese begleiten und alles Zweckdienliche unterstützen, was den öffentlichen Druck mit dem Ziel „mehr Mittel für Wissenschaft und Forschung“ dient.

Interessante Pressemeldungen zum Thema HIER zum Nachlesen

ZITATE AUS DER SCIENTIFIC COMMUNITY

Österreich muss Top-Forschungs-Bildungsstandort werden wollen
Die Wege aus den Krisen unserer Zeit werden Österreich und Europa nur mit mehr Forschung, Bildung, Innovationen und Investitionen nachhaltig schaffen. Darin liegt unser größtes Wettbewerbspotential. Österreich muss zu einem TOP-Forschungs-Bildungsstandort, d.h. unter den besten drei - in der EU werden wollen. Die EU muss der Forschungsstandort Nr. 1 werden wollen. Budget-, Wissenschafts-, Wachstums-, Beschäftigungs- und nachhaltige Zukunftsdebatten müssen dies berücksichtigen. Gerne stelle ich auch meine Arbeit im Europaparlament und das Bürgerforum Europa2020 (buergerforum@europa2020.at) als Partner zur Verfügung und in den Dienst des richtigen, wichtigen Anliegens.
Othmar Karas, Mitglied des Europäischen Parlaments

Sparen an richtigen Stellen
Die von der Regierung geplanten Kürzungen im Schul- und Universitätsbudget hält Aiginger für zu stark, wie er betont: "Ein neues Schulsystem ist mit nominell sinkenden Investitionen nicht erreichbar." Das selbe gelte für die Anhebung der Forschungsquote auf 3,7 Prozent des BIP. Hier wäre ein weiterer Anstieg der Ausgaben um fünf Prozent nötig
Karl Aiginger, WIFO-Chef, Wiener Zeitung, 5.6.2010

Kooperationen und Ressourcen optimal nutzen
Die Universitätenkonferenz (uniko) warnt vor einer Schädigung des Wissenschaftsstandortes Österreich, sollten die Pläne der Regierung realisiert werden, das Budget der Universitäten ab 2013 einschneidend zu kürzen. Die Kürzungen würden zu einer Verringerung des Personalstands um etwa 3.000 der derzeit rund 40.000 Lehrenden führen. Die Unis werden derzeit vom Wissenschaftsministerium informiert, dass es aufgrund der Staatsverschuldung für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015 keine Budgeterhöhung, ja nicht einmal eine Budgetanpassung geben werde. Die budgetären Nöte zwingen die österreichischen Hochschulen dazu, neue Wege zu beschreiten, etwa in Form von Kooperationen untereinander. "International an der Spitze" sein könne man nur, "wenn wir uns koordinieren und alle Ressoucen optimal nutzen", so
Heinz Engl, Vizerektor der Universität Wien, Wiener Zeitung, 2.6.2010

Öffentlichkeit für die Bedeutung von Forschung sensibilisieren
Österreich ist gefordert neue Wege in der Forschung zu beschreiten, um auch junge Menschen für diese zu begeistern. Intensive Informationsarbeit ist zu leisten, um die Notwendigkeit von Forschung in allen Wissensgebieten darzustellen. Denn Forschung hat substantielle Bedeutung für Fortschritt und Wohlstand. Die Neugierde junger  Menschen für die wissenschaftliche Forschungsarbeit sollte geweckt und gefördert werden. Die Politik ist aufgerufen, der Forschung funktionierende Rahmenbedingungen zu schaffen. So eröffnen sich neue Chancen: Der Standort Österreich wird gestärkt und gleichzeitig werden wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Ziele erreicht.
Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums Wien

Kritik an Sparplänen
Angesichts der Sparpläne seien die Perspektiven für die Universitäten „schlicht und ergreifend furchtbar“. Die geplanten Kürzungen seien „absolut kontraproduktiv, man spart damit die Zukunft des Landes kaputt“.
Hans Sünkel, TU-Rektor und Präsident der Universitätenkonferenz, Kurier, 19.5.2010

Akademie der Wissenschaften: „Dringend Mittel nötig“
ÖAW-Präsidium klagt über finazielles Dilemma und fordert Maßnahmen für Wissenschaftsstandort Österreich.
19.5.2010, Der Standard

Kein Sparen bei Bildung und Forschung
Jedes Ressort wird zwischen 3 und 4 Prozent gegünber dem Vorjahr einsparen. Nur bei Bildung, Forschung und Sicherheit muss nicht gespart werden, weil das wichtig für die Zukunft ist.
Josef Pröll, Vizekanzler und Finanzminister, Österreich, 17.5.2010

In Forschung investieren
Punkto Wettbewerbsfähigkeit hat Österreich zuletzt etwas Terrain eingebüßt, daher müssen wir jetzt umso stärker in Innovation, Forschung und Infrastruktur investieren.

Doris Bures, Infrastrukturministerin, Krone, 15.5.2010

Österreichs Wettbewerbsfähigkeit sinkt
Die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Volkswirtschaft hat sich in den letzten zwei Jahren wieder verschlechtert. Im aktuellen Ranking des Weltwirtschaftsforums (WEF) hat Österreich unter den 27 EU-Ländern - gemessen an den Lissabon-Zielen - zwei Plätze verloren und ist auf den siebenten Rang zurückgefallen. 2008 lag Österreich noch auf Platz fünf. Schweden konnte seinen ersten Platz verteidigen, danach folgen Finnland, Dänemark und die Niederlande. Überholt wurde Österreich diesmal von Luxemburg und Deutschland. Bereits 2002 und 2006 nahm Österreich den Rang 7 ein, 2004 gab es einen Rückfall auf Platz 9, die beste Platzierung konnte 2008 mit Rang 5 erreicht werden. Schlecht liegt die Platzierung auch bei "Innovation und Forschung & Entwicklung" und "Sozialer Zusammenhalt" (jeweils Rang 8). Vergleichsweise am schwächsten werden vom WEF die "Rahmenbedingungen für Unternehmen" in Österreich bewertet (Rang 10). Die heute veröffentlichte WEF-Studie ist die fünfte und letzte einer Reihe von zweijährigen Studien im Zusammenhang mit der Umsetzung der letztlich gescheiterten EU-Lissabon-Strategie 2010. Die Gemeinschaft wollte innerhalb von zehn Jahren zur wettbewerbsstärksten Region der Welt aufsteigen. In der Zwischenzeit hat sich die EU bereits eine neue Wirtschaftsstrategie - Europa 2020 genannt - vorgenommen, die im Juni auf einem Gipfel beschlossen werden soll. Die nordischen Staaten sind laut WEF am besten aufgestellt, wenn es um Innovationen geht. Dies hänge mit der 'aggressiven' Annahme von neuen Technologien, den hohen Forschungsausgaben und der engen Zusammenarbeit zwischen Universitäten und dem privaten Sektor zusammen.
Der Standard, 10.5.2010

Vorwärts in die Top 3
Wissenschafts- und Forschungsministerin Beatrix Karl zieht nach 100 Tagen eine erste Zwischenbilanz und präsentiert ihr Ziele und Schwerpunkte für den Wissensstandort Österreich.
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Wunderschöne Worte, aber keine Zahlen
Anders die Rektoren: Sie fordern schleunigst einen Termin mit der Regierungsspitze, um einen "belastbaren" Finanzierungsplan auszuarbeiten. "Von der Politik gibt es zu Zeit nur wunderschöne Worte, aber keine Zahlen", sagt TU-Rektor Hans Sünkel, Präsident der Universitätenkonferenz. Man habe genug vom "unerträglichen Herumlavieren". Während in Deutschland Kanzlerin Merkel höchstpersönlich ihre Finanz-Pläne für die Unis verkündet habe, "höre ich in Österreich nichts dergleichen". Karls Ziele hält Sünkel für "realistisch" - wenn der Finanzminister bei der Finanzierung und der Koalitionspartner bei Zugangsbeschränkungen mitspielt. Ansonsten drohe Karls Masterplan ein ähnliches Schicksal wie den hehren Zielen ihrer Vorgänger: "Die schönsten Reden werden zum Geschwätz, wenn ihnen keine Taten folgen."
Hans Sünkel, TU-Rektor und Präsident der Universitätenkonferenz, Kurier, 7.5.2010

Gemessen an seiner Wirtschaftskraft gibt Europa heute schon weniger für Bildung und Forschung aus als die USA und Japan, auch China befindet sich
hier auf der Überholspur. Europa verfügt über zu wenige erstklassige Universitäten und Forschungsstätten. Die Konsequenzen sind absehbar: geringere Wettbewerbsfähigkeit und weniger Wohlstand.
Rainer Münz, österr. Mitglied des EU-Weisenrates, ZEIT-Interview 6.5.2010

Forschungsstrategie 2020
Die Forschungsstrategie 2020 soll bei den Technologiegesprächen in Alpbach im August vorgestellt werden. Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung und zwischen direkter und indirekter Forschungsfinanzierung. Wir sollten aber auch die Effizienz des Mitteleinsatzes verbessern: Wir stehen mit unserer Forschungsquote von 2,76 Prozent im internationalen Vergleich sehr gut da, sind in der EU an dritter Stelle. Beim Output sind wir aber nur auf Rang sechs. Da müssen wir besser werden. (...) Ohne eine starke Grundlagenforschung wird es auch keine angewandte Forschung geben, und ich sehe ihre Finanzierung in keiner Weise gefährdet. Was ich umgekehrt möchte, ist, dass die Wirtschaft die Bedeutung der Grundlagenforschung stärker wahrnimmt und bereit ist, zusätzlich zu investieren. Mit anderen Worten: Wir brauchen mehr Wissenspartnerschaften zwischen Wissenschaft und der Wirtschaft.
Beatrix Karl, Wissenschaftsministerin, Der Standard, 28.4.2010

Grundlagenforschung und angewandte Forschung: Basis für Innovation
* (Grundlagen)forschung von Neugierde getrieben (unentbehrliche Kulturleistung),
* Forschung kann nicht delegiert werden, Kein Gegensatz zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung (wirken gegenseitig als Katalysatoren; G.W. Leibnitz, 1646-1716: Theoria cum Praxi),
* Transfermechanismen (Durchlässigkeit) zwischen Grundlagenforschung und angewandter (industrieller) Forschung notwendig,
* Echte Innovation nur auf gesicherter wissenschaftlicher Basis möglich, "Wenn man die Grundlagenforschung beschneidet, isst man das Saatgut" (Carl Sagan, 1934-1996)

BEDINGUNGEN FÜR INSPIRIERENDE FORSCHUNGSATMOSPHÄRE
* Freiheit und Kompetenz der Forscher ("Geist")
* Ausdauer und Entschlossenheit
* Finanzielle Planungssicherheit ("Gegenwart")
* Innovations(Risiko)bereitschaft (mit Geduld und Fehlertoleranz)
* Mut (des Forschers und der Förderer)
* Kommunikation / Integration / Interaktion
* Vielfalt (aber nicht zu große Heterogenität)
* Stimulierender Wettstreit
* Positives soziales Klima
* "Strukturelle Instabilität"
* Offenheit für glücklichen Einfall / Zufall ("serendipity")

WISSENSBASIERTE MODERNE GESELLSCHAFT BRAUCHT HÖHERE BILDUNG
* Neben klassischer Alphabetisierung wissenschaftliche Alphabetisierung nötig = Wissenschaftserziehung
* (Grund)Verständnis von Wissenschaft und Forschung wichtig (Methoden, Möglichkeiten, Grenzen, Risken; Resistenz gegenüber ‚Pseudowissenschaft’)
* Verständnis der Welt und der Rolle des Mensch in der Welt (Persönlichkeitsentwicklung, lebenslanges Lernen und Weiterbildung, soziales Verhalten, Zusammenleben, Kultur Technologie, Karriereplanung, Entscheidungen, Risikoabschätzung, Gesundheitsvorsorge, Energie/Ressourcen-Bewahrung, Umweltschutz, etc.)

Helmut Denk, Präsident ÖAW, im Rahmen von Geist & Gegenwart, 26.4.2010

Statistik Austria: F&E-Quote 2010 2,76 %
Für Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E) werden nach den neuesten Schätzungen der Statistik Austria in Österreich im Jahre 2010 voraussichtlich 7,805 Mrd. Euro ausgegeben werden. Gegenüber 2009 wird die Gesamtsumme der österreichischen F&E-Ausgaben um 3,4% steigen und 2,76% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreichen. Von den gesamten Forschungsausgaben 2010 wird mit 43,3% (rund 3,38 Mrd. Euro) der größte Anteil von der Wirtschaft finanziert werden. 41,2% (rund 3,22 Mrd. Euro) wird der öffentliche Sektor beitragen (Bund rund 2,74 Mrd. Euro, Bundesländer rund 389 Mio. Euro, sonstige öffentliche Einrichtungen wie Gemeinden, Kammern, Sozialversicherungsträger rund 85 Mio. Euro). 15,0% werden vom Ausland und 0,4% (rund 34 Mio. Euro) vom privaten gemeinnützigen Sektor finanziert werden. Die Finanzierung durch das Ausland (rund 1,17 Mrd. Euro) stammt zum überwiegenden Teil von mit heimischen Unternehmen verbundenen europäischen Unternehmen, die Österreich zum Forschungsstandort gewählt haben und schließt die Rückflüsse aus den EU-Rahmenprogrammen für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration ein.
Der Gesamtinhalt des Berichtes ist hier nachzulesen: http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/forschung_und_innovation/045078
Statistik Austria, 22.4.2010

Mehr Mittel für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Die Bewältigung dieser höchst schwierigen Kurssteuerung wird nur dann gelingen, wenn im Interesse solider Staatsfinanzen einige Jahre lang eine in sich schlüssige Politik der Budgetkonsolidierung verfolgt und gleichzeitig die Zielsetzungen der Agenda 2020 umgesetzt werden. Diese setzt auf Modernisierung und wirtschaftliches Wachstum durch Wissen, Qualifikation und Innovation. Diese Zielsetzungen müssen erreicht werden, wenn wir griechische oder irische Verhältnisse vermeiden und wieder wirtschaftliche Dynamik und wachsende Beschäftigung erreichen wollen. Dafür sind mehr Mittel für Bildung, Wissenschaft und Forschung, vor allem auch in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen, notwendig.
Hannes Androsch, Industrieller, Kronenzeitung, 24.3. 2010

F&E verstärkt fördern
Es ist sinnvoll, F&E von öffentlicher Hand verstärkt zu fördern, weil das ja eine jener Tätigkeiten ist, deren Erträge in jedem Fall größer sind als der Nutzen für den Forschenden.
Karl Aiginger, WIFO-Chef, Der Standard, 21.4.2010

Bekenntnis zur Grundlagenforschung
Die Grundlagenforschung ist die intellektuelle Visitenkarte unseres Landes.
Beatrix Karl, Wissenschaftsministerin, Die Presse, 20.3.2010

In Forschung und Bildung investieren
Die Politik muss begreifen, dass gerade in Zeiten der ökonomischen und finanziellen Krise in Forschung und Bildung investiert werden muss, da nur so zukünftiger Wohlstand gesichert werden kann.
Helga Nowotny, ERC-Präsidentin, Der Standard, 17.3.2010

Das Wesen der Grundlagenforschung
Ein Wesen der Grundlagenforschung ist, dass man nicht genau sagen kann, welche Auswirkungen sie einmal haben wird. Zugleich weiß man, dass fast alle tiefgreifenden technologischen Neuerungen aus der Grundlagenforschung stammen. Beispiele dafür sehe ich bei uns insbesondere in der Quantenoptik.
Rudolf Grimm, Physiker, Der Standard, 3.2.2010

Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit
International lohnt ein Blick nach Skandinavien und in die Vereinigten Staaten. Dort wird wesentlich mehr Geld investiert als in Österreich, wo 1,3 Prozent der Wertschöpfung für Hochschulen aufgewendet werden. Im Norden Europas werden Investitionen in Bildung als eine Möglichkeit gesehen, den Wohlfahrtsstaat zu erhalten und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Bildung ist auch in Österreich der zentrale Rohstoff und seit Generationen die wichtigste Quelle des Wohlstands. Wenn die Politik diesen Zusammenhang weiter vernachlässigt, bleibt die Wettbewerbsfähigkeit auf der Strecke.
Reinhard Olt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.1.2010

Geisteswissenschaften als Software der Gesellschaft
Die Geisteswissenschaften gehören zur Software der Gesellschaft. Als mich die damalige Ministerin Gehrer gefragt hat, was ich am Schulsystem verändert sehen möchte, habe ich ihr geantwortet, sie solle sicherstellen, dass es in jeder Landeshauptstadt ein humanistisches Gymnasium gebe. Eines mit sechs Jahren Latein und vier Jahren Griechisch und zwar ohne Möglichkeit, diese Sprachen abzuwählen. Durch eine humanistische Ausbildung lernt man das Denken in sehr fundamentalen Kategorien. Und das Lesen alter Texte führt einem vor Augen, dass sich an den grundlegenden menschlichen Problemen in den vergangenen 3.000 Jahren nichts geändert hat. Da sind wir auf der gleichen Stufe wie damals. Wenn der Zeitrahmen überhaupt reicht: Vermutlich schlagen wir uns schon seit 20.000 oder 100.000 Jahren mit den gleichen Problemen herum. Gehrer war sich übrigens nicht sicher, ob ich das ernst meinte.
Anton Zeilinger, Physiker, Die Presse, 3.1.2010

Unis bekommen zuwenig Geld
Die Unis bekommen eindeutig zu wenig Geld, und die Gefahr ist jetzt groß, dass die Probleme on der Lehre mit dem Geld gelöst werden, das der Forschung zugute kommen sollte. Das wäre eine große Bedrohung. Es wäre auch extrem kurzsichtig, so zu reagieren, denn Forschung kann an nicht ausschalten und dann einfach wieder einschalten. Man muss klar sagen: Jeder Student profitiert von guter Forschung.
Christoph Kratky, Präsdent FWF, Kleine Zeitung, 6.12.2009

Strategie 2020
Schon seit längerem zeigen nationale und internationale Befunde, dass Österreich im Bereich hochqualifizierter Humanressourcen zunehmend Defizite aufweist. Das Bildungssystem muss insgesamt als Schwachpunkt unserer Innovationsfähigkeit betrachtet werden. Zudem haben aktuelle Arbeitsmarktdaten und die anhaltenden Proteste der Studierenden die Notwendigkeit rascher Reformen verstärkt, wenn Österreich mit der internationalen Entwicklung Schritt halten will. Um – wie im Regierungsprogramm vorgesehen – den Sprung zu den ‚Innovation Leaders’ bzw. ‚Front Runners’ in den nächsten Jahren zu schlaffen und sich als knowledge-based economy etablieren zu können, benötigt Österreich massive Anstrengungen im Bereich der Qualifizierung von ausreichend Humankapital, vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Im Bewusstsein, dass Humanressourcen ins Zentrum von forschungs- und innovationspolitischen Strategien rücken, hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung die in seiner ‚Strategie 2020’ formulierten Empfehlungen zum Bereich Humanressourcen weiter detailliert.
Knut Consemüller, Präsident Rat für Forschung und Technologieenwicklung, Austria Innovativ, 6/2009

MEDIENECHO ZUM SYMPOSIUM "ÖSTERREICH 2020" MIT DEN WISSENSCHAFTERN DES JAHRES
AM 2.3.2010 AM FRANK-STRONACH INSTITUTE DER TU GRAZ

Norbert Swoboda, Kleine Zeitung, 3.3.2010
Das von Frank Stronach geschaffene Institut für sozial-ökonomische Gerechtigkeit will damit gemeinsam mit der Vereinigung des Wissenschaftsjournalismus einen Dialog über Österreichs Zukunftsperspektive einleiten. Schon Magna-Chef Siegfried Wolf gab vor rund 50 geladenen Gästen – bevor er zum Autosalon nach Genf enteilte – das Thema im Frank-Stronach-Institut an der Technischen Universität Graz vor: Was kann man tun, damit das „Hirnschmalz“ in Österreich erhalten wird, so dass es zu Arbeitsplätzen und Wohlstand führt? Der frühere Rektoren-Chef Christoph Badelt ortete Versäumnisse der Politik: „Seit Jahrzehnten werden die politischen Konsequenzen nicht gezogen.“ Er verlangte aber von seinen Wissenschaftler-Kollegen mehr Engagement, um die Öffentlichkeit zu gewinnen. Von mehreren Referenten, darunter auch vom aktuellen „Wissenschaftler des Jahres“, dem Quantenphysiker Rudolf Grimm, wurde Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl heftig angegriffen, der erklärt hatte, die Grundlagenforschung könne man nach Brüssel entsorgen. Für Grimm ist Österreich längst auf der Verliererstraße, wenn es um die „besten Köpfe weltweit“ geht – „die gehen woanders hin“. Auch Professor Stefan Karner aus Graz kritisierte, dass sich Österreich nicht um die osteuropäische Nachbarschaft bemühe.

Lisa Nimmervoll, Der Standard, 4.3.2010
Vor allem die Grundlagenforschung, in der alles möglich ist, das Landen in einer Sackgasse ebenso wie der epochale Schritt in die Zukunft, hatte in Graz - inmitten kraftvoller Plädoyers für politisches Hören-Wollen aus historischer (Stefan Karner), klimatologischer (Helga Kromp-Kolb), mathematischer (Rudolf Taschner) und medizinischer Sicht (Hildegunde Piza) - wortmächtige Unterstützer gegen Begehrlichkeiten der angewandten Forschung. (...) Philosoph Konrad Paul Liessmann meißelte die Differenz ("kein Gegensatz") zwischen Bildung und Ausbildung heraus und stellte die Frage in den Raum: "Wie wäre es, wenn wir gebildet wären?" Es wäre jedenfalls etwas anderes, wenn wir uns bilden oder ob "man" uns "ausbildet".

Erich Witzmann, Die Presse, 3.3.2010
„Die Jugend muss aufstehen.“ Georg Wick, Jahrgang 1941 und Altersforscher an der Uni Innsbruck, platzte der Kragen. Es gebe kein Land in der EU, das so sorglos mit seiner Jugend umgehe wie Österreich. Im Allgemeinen wies Wick auf die Pensionsreform hin, die zulasten der nachfolgenden Generationen gehe, in seinem universitären Feld auf die Grundlagenforschung, die so miserabel dotiert sei, dass Nachwuchswissenschaftler ins Ausland abwandern müssen. Gleich neun der renommiertesten Forscherpersönlichkeiten des Landes, die in den vergangenen Jahren als „Wissenschafter des Jahres“ ausgezeichnet worden waren, zerbrachen sich am Dienstag im Grazer Frank-Stronach-Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit (Vorsitz Waltraud Klasnic) ihre Köpfe über „Perspektiven für Österreich 2020“. Die Weichen für jene, die 2020 Österreich neue Anstöße liefern sollen, sind bereits gestellt: Es ist die Schülergeneration, die in wenigen Jahren ihr Studium beginnt. Der Experimentalphysiker Rudolf Grimm spricht von einer schleichenden Ausdünnung der „besten Köpfe“ an den Universitäten. Der eigene Nachwuchs werde immer weniger, und für Ausländer sind unsere Unis nicht attraktiv genug. Grimm: „Wir sind schon längst auf der Verliererstraße und stecken unsere Köpfe in den Sand.“ Christoph Badelt, Sozialforscher und Rektor der Wirtschaftsuni, fordert angesichts der Globalisierung eine Neupositionierung Österreichs. Seine Einsicht: „Wir müssen uns mehr bildungspolitisch engagieren.“ Und ein soziales Problembewusstsein schaffen. Bildung und Wissenschaft müssten nationale Top-Priorität werden, pflichtet da Prionenforscher Herbert Budka bei, „solange wir das nicht erkennen, werden wir weiter dahinhoppeln“. Gerade Konrad Paul Liessmann, Philosoph an der Uni Wien, widerspricht leicht: „Die Jagd nach den besten Köpfen ist nicht meine Vorstellung von Universität.“ Seine Priorität liegt bei der „Heranbildung einer ästhetischen Sensibilität“.

Andreas Kolb, Wirtschaftsblatt, 3.3.2010
Wissenschafter fordern mehr Geld für Forschung. Mit dem Thema "Österreich 2020" befassten sich mehrere Wissenschafter des Jahres am Grazer Frank- Stronach-Institut der Technischen Universität. Vom Historiker Stefan Karner über die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb bis zum Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Christoph Badelt, reichte das Spektrum der Diskutanten, die auf Einladung des Instituts für sozial-ökonomische Gerechtigkeit in die Steiermark gekommen waren. Einig war sich die wissenschaftliche Gemeinde weitgehend darüber, dass Bildung und Forschung höchste Priorität in einer künftigen Gesellschaft genießen sollten. Das Ziel von drei Prozent des BIP für Forschung sei dabei zu wenig ambitioniert. Vor allem für Grundlagenforschung solle deutlich mehr an öffentlichen Geldern zur Verfügung gestellt werden.

ZITATE AUS STATEMENTS BEIM SYMPOSIUM "ÖSTERREICH 2020" MIT DEN
WISSENSCHAFTERN DES JAHRES AM 2.3.2010

Christoph Badelt, WU-Wien Rektor
* Wachsender Druck auf Österreich und auf Europa, nachhaltige Neupositionierung in einer globalisierten Welt zu finden
* Daher: dringend massive Investitionen in Bildung und Wissenschaft erforderlich; Österreich sollte in dieser Tendenz führend in Europa sein
* Aussagen dieser Art sind heute bereits trivial, aber: politische Konsequenzen werden zumindest in Österreich immer noch nicht gezogen
* Konsequenz: Wissenschafts- und Bildungsförderung muss mehr „populär“ werden, um politischen Druck ausüben zu können
BESONDERE SCHWERPUKTE:
* Wirklich Grundlagenforschung – auch Interessenkonflikte mit der Wirtschaft ansprechen, damit sie gelöst werden können.
* Problem der sozialen Schichtung der Akademiker/innen/population offensiv angehen – Zusammenhang zum Schulsystem
* Fragen der Finanzierung des Bildungssystems offensiv angehen (Stichwort Studiengebühren und Studienförderung)

Herbert Budka, Neurologe
REALISERUNGSVORSCHLÄGE FÜR WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG 2020
* öffentliche Meinungsbildung auf allen Ebenen
* Erstellung einer langfristigen nationalen Strategie mit budgetärer Berücksichtigung über das gesetzte Ziel 3% BIP (2009: 2,73%) für Forschung hinaus
* Anhebung der Akademikerquote und der sozialen Durchlässigkeit
* Ausreichende soziale Absicherung des (tertiären) Bildungssektors (62% der Studierenden arbeiten)

Konrad Paul Liessmann, Philosoph
Ob Bildung im Rahmen gegenwärtiger Bildungsinstitutionen eine Chance hat, lässt sich allein daran ablesen, welche Möglichkeiten neben der sinnvollen und notwendigen Ausbildung den Menschen noch eingeräumt werden. Anders formuliert: Die Qualität von Bildungseinrichtungen wäre auch danach zu beurteilen, wie viel Freiheit, wie viel Risiko, wie viel Neugier, wie viel ästhetische Erfahrung, wie viel Nutzloses sie erlauben. Oder anders formuliert: Es kommt darauf, den Menschen die Möglichkeiten zur Selbstbildung zu offerieren und ihnen die Mittel dazu in die Hand zu geben. Der inflationär gebrauchte Begriff "Bildungschancen" bekäme unter diesen Perspektiven auch wieder eine angemessene Bedeutung.

Hans Sünkel, TU-Graz Rektor, Präsident der Universitätenkonferenz
Gerade in gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen, in Zeiten des exzessiven „pantha rhei“ der Griechen, dem „tempora mutantur“ der Römer und dem „Global Change“ von heute, wo sich Änderungen nahezu täglich überschlagen und kaum ein Stein auf dem anderen verbleibt, gerade in solchen Zeiten brauchen wir Stabilität. Wir brauchen ein gesellschaftliches Bezugssystem, in dem wir uns positionieren können,  in dem wir unseren ganz persönlichen Platz finden und aus dieser angestammten Position heraus auch mit Zuversicht in die Zukunft blicken können. Die Universität kann und soll ein solches Referenzsystem darstellen, ein System, das keinen schnellen Moden nachläuft, sondern nachhaltig in die Gesellschaft wirkt. Ein System, das nicht bloß intellektuelle Freiheit zulässt, sondern diese sogar beflügelt. Eine Institution, eingebettet in unser Wirtschaftsleben und somit in unsere Gesellschaft, die Problemen nicht aus dem Weg, sondern vielmehr auf diese zugeht und sie nicht erwachsen werden lässt. Eine Institution, die das Risiko als die Bugwelle des Erfolgs versteht und ganz bewusst wie auch selbstbewusst den kooperativen Brückenschlag hin zu Industrie und Wirtschaft vollführt.

Georg Wick, Alternsforscher
Erfolgreiche Grundlagenforschung ist allerdings nur riskante Forschung, d.h. eine Forschung, die komplettes Neuland betritt und deren Resultate man noch nicht absehen kann. Wenn Forschung sich nur in alten Pfaden bewegt und nur solche Projekte gefördert werden, die wenig innovativ sind und nur ein geringes Risiko für einen Misserfolg aufweisen, dann sollte derartige Forschung meiner Meinung nach überhaupt nicht betrieben bzw. gefördert  werden.

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